Evang.-Luth. Pfarramt St. Martin

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Kirche - ein Haus aus lebendigen Steinen

Am Beispiel der Baugeschichte der Martinskirche Memmingen

Die äußere Gestalt

Harmonisch und aus einem Guss erscheint dem Betrachter die Martinskirche. Doch bei genauerer Betrachtung ist der Baukörper der Martinskirche zusammengesetzt aus vielen einzelnen Teilen, die sich aber doch zu einem passenden miteinander verbinden. Dies könnte eine wichtige Botschaft des Kirchengebäudes an die Gemeinde sein. Kirche und Gemeinde ist vielfältig, gebaut aus vielen Teilen, und doch durch Christus in Einheit verbunden. Obwohl man versucht hat, die Einzelteile der Martinskirche gut zusammenzufügen, bleiben sie doch bei genauem Hinsehen sichtbar.

1320 wurde mit dem Bau der Martinskirche begonnen, so wie wir sie heute kennen. Unsichtbar für uns ist die Kirche, die zuvor an gleicher Stelle stand. Wir müssten in die Tiefe graben, um den Grundriss der Vorgängerkirche zu kennen. Dann wäre aber auch ein Abriss der jetzigen Kirche notwendig und es macht ja weder für das Kirchengebäude noch für unser Leben einen Sinn, was geworden ist radikal abzubrechen, nur um die Geschichte rekonstruieren zu können. Was früher war ist nicht mehr da oder im Verborgenen oder im bestehenden Gebäude aufgegangen. Auf dem Alten wurde das Neue aufgebaut. 1320 wurde mit dem Bau begonnen, ein Fresko im unteren Teil des Turmes ist aus dieser Zeit. Die neue Kirche war notwendig geworden, weil die Bevölkerungszahl der Stadt gewachsen war, doch war die Kirche nicht in kurzer Zeit fertig. Es gab Unterbrechungen durch schwierige Zeiten in der Stadt, z. B.  als die Pest 1349 die Bevölkerung um 2.070 Menschen dezimierte. Einen ersten Abschluss des Kirchenbaues gab es 1410. Aber schon bald wurde weitergebaut, nicht nur um Platz zu schaffen, sondern um die Kirche vor allem seitlich zu stabilisieren. Denn inzwischen war die Kirche auch in die Höhe gewachsen, wodurch weitere Lasten auf die Seitenmauern drückten. Bauexperten mussten zu Rate gezogen werden, um die Kirche vor dem Einsturz zu bewahren.

baugeschichte

Bild: Baugeschichte der Martinskirche 1320 - 1500

1500 war der Kirchenraum endlich fertig, so wie wir ihn heute kennen. 1535 kam dann noch das Turmachteck hinzu, nachdem ein Blitzschlag die steile Turmspitze zerstört hatte. Über 200 Jahre wurde an der Martinskirche gebaut, bis sie in ihrer äußeren Gestalt fertig war. Die Botschaft könnte für uns sein, dass nicht einer an der Kirche baut, sondern dass viele in allen Zeiten an der Kirche mit bauen. Und dass Kirchen- und Gemeindebau nie abgeschlossen sind. Besonders deutlich wird dies, wenn wir in die Kirche gehen und ihr Innenleben betrachten.

Die innere Gestalt

Die äußere Gestalt der Martinskirche ist über 200 Jahre gewachsen und hat sich seit 500 Jahren nur noch wenig verändert. Die innere Gestalt der Martinskirche hat sich dagegen in 700 Jahren ständig verändert. Teile des Inneren der Kirche wurden entfernt, andere kamen bis heute hinzu. Alte Bilder wurden versteckt und wieder neu entdeckt. Das Innere der Kirche ist erzählte Glaubensgeschichte von 7 Jahrhunderten. Bis zur Reformation war St. Martin bunt bemalt mit Bildern biblischer Geschichten, vermischt mit Darstellung von Heiligen. 22 Altäre gaben Zeugnis von der tiefen religiösen Sehnsucht der Menschen damaliger Zeit. Die Altäre waren Heiligen gewidmet und unzählige Messen wurden in der Kirche gestiftet und gelesen. Die Reformation war die Zeit einer geistlichen Besinnungsphase und einer großen Auf- und Ausräumaktion in der Kirche. 22 reichgeschmückte Altäre wurden entfernt und ein schlichter Steinaltar in den Mittelpunkt der Kirche gestellt, dazu ein Taufstein, der die Form eines Abendmahlskelches hat. Nicht die vielen Heiligen an den Seitenaltären sollten die Gemeinde einladen, um dort ihr spezielles Anliegen vor Gott zu bringen, sondern Christus sollte die einzige Mitte der Gemeinde sein. Nicht unzählige Messen in den verschiedenen Kirchenwinkeln wurden gefeiert, sondern 1 Gottesdienst für alle und vor allem das Abendmahl mit Wein und Brot für die ganze Gemeinde. Nichts sollte ablenken von Christus, keine bunten Bilder und keine reich verzierten Altäre. Die Gemeinde hat diese Fastenkur nicht lange ausgehalten. 1588 wurde die größte zur Verfügung stehende Wandfläche mit der Passions- und Ostergeschichte bemalt, der zentralen christlichen Botschaft.

Fresko Nord    

Fresken "Passion und Auferstehung" (1588)

Fresko1

 

50 Jahre später wurde dieses große Bild allerdings schon wieder übermalt, denn an dieser so wichtigen zentralen Stelle für den Gottesdienst der Gemeinde kam nun eine Holzempore in die Kirche. Die festliche Musik und der Gemeindegesang wurden nun für die Gemeinde bedeutsam. Nicht schauen und hören auf die Botschaft war das Thema, sondern mit einstimmen in die gute Nachricht, das wollte die Gemeinde. Und in jener Zeit sind ja auch die die Lieder von Paul Gerhardt entstanden, die wir inzwischen auch ökumenisch bis heute gerne singen.

Doch ohne Bilder und Farbe wollte man in der Gemeinde nicht sein. Die Bibel ist ein Geschichtenbuch und so wurde biblische Geschichte gemalt und die Martinskirche wurde ab 1700 wieder bunt. Zunächst goldglänzend durch die barocke Kanzel, die in die Kirche kam, und dann wurden die Wände bunt bebildert mit biblischer Geschichte. Jedes Bild wurde goldglänzend gerahmt. Das Gold sollte die Kostbarkeit der biblischen Geschichte illustrieren. Fast jede freie Fläche der Wände wurde genutzt, um Bilder aufzuhängen. Die Kirche wurde zu einem Bilderbuch biblischer Geschichte.

Im 19. Jahrhundert knüpfte man wieder an die alte Gotik, die alte Zeit von 1320 an und stellte in den Chorraum einen neugotischen Hochaltar,  mit Christus als der Mitte. Trotz aller Umgestaltungen sollte dies die Hauptaussage der Kirche bleiben, bis heute. Deshalb musste auch die Empore entfernt werden, um einen freien Blick auf Christus zu haben. Das 20. Jahrhundert war dann das Jahrhundert der Entdeckungen. Die alten Fresken, die Jahrhunderte übertüncht waren, wurden freigelegt. Sie waren nicht zu sehen und doch waren sie immer da. Glauben ist manchmal ein Schatz, der übertüncht und verborgen ist. Nach langen Jahren kommt er zum Vorschein und strahlt in seiner Schönheit. Allerdings hatte die Freilegung der alten Wandbilder zur Folge, dass die meisten goldgerahmten Bilder aus der Kirche entfernt wurden und die Bilder mit den Jesusgeschichten in den Seitenkapellen an den Rand gerückt wurden. Der jüngste Teil unseres Kircheninnern ist seit 1998 die Goll-Orgel. Die innere Gestalt der Martinskirche hat sich in 700 Jahren ständig verändert, aber die Botschaft, dass Jesus Christus die Mitte ist, das ist durch die Zeit geblieben.

   

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